Besuch der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg

Besuch der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg

Geschichte live erleben

Am Dienstag, den 19.02.2019 war die Lerngruppe 9c/10c auf einer Geschichtsexkursion, bei der ein Museumsbesuch sowie ein Besuch der KZ Gedenkstätte Oberer Kuhberg auf dem Programm standen.

Der Tag startete um 07.50 Uhr vor dem Museum in Biberach. Frau Rebmann nahm uns freundlich in Empfang und zeigte sich gleich zu Beginn begeistert darüber, dass die Ausstellung nun von allen 9. und 10. Klassen der Mühlbachschule besucht wurde. Anschließend führte sie uns mit ihrem Fachwissen durch die Kabinettausstellung „Lager Lindele - Leben hinter Stacheldraht“. Dabei erzählte sie uns beeindruckende Geschichten über das Lager Lindele, von denen wir zuvor nichts wussten. Das ehemalige Kriegsgefängnis sowie Deportiertenlager wurde 1939 gegründet und stand dort, wo sich heute die Bereitschaftspolizei Biberach befindet. Das Lager diente ursprünglich als Kaserne für die Wehrmacht. Im Krieg wird das Lager dann aber zum Kriegsgefangenenlager. Zum größten Teil wurden im Lager Lindele britische und französische Offiziere festgehalten. In der Nacht vom 13. auf den 14. September 1941 ereignete sich etwas Spektakuläres. 26 britischen Offizieren gelang die Flucht durch einen selbstgegrabenen Tunnel. Unter dem Kanonenofen in Baracke 6 kratzten sie die Erde aus, als Werkzeug benutzten sie Löffel, Gabeln und Blechbüchsen. Am Ende entstand in nur knapp zwei Monaten ein ca. 40-50 Meter langer Kriechtunnel. Vier der Männer schafften es, die Schweizer Grenze zu erreichen, die anderen wurden jedoch wieder aufgegriffen und verlegt. Im November 1941 kamen dann Transporte mit sowjetischen Kriegsgefangenen an, von denen mindestens 146 starben. Sie liegen heute auf dem sogenannten Russenfriedhof in der Memminger Straße begraben. Damit war die Geschichte des Lagers Lindele aber noch nicht beendet. Im September 1942 diente es als Internierungslager für rund 1000 Zivilisten von den britischen Kanalinseln wie z.B. Jersey. Ebenfalls berichtete uns Frau Rebmann, dass 1944 mehr als 400 Juden aus dem KZ Bergen-Belsen nach Biberach ins Lager Lindele kamen, ehe das Lager am 23. April 1945 von französischen Truppen befreit wurde. Nach Beendigung der Führung durften wir die Ausstellung noch eine Weile selbst erkunden und uns diverse private Erinnerungsstücke anschauen. Anschließend liefen wir gemeinsam zum Bahnhof, um nach Ulm zu fahren, wo der Tag für uns dann weitergehen sollte.

Nach einer kurzen Pause am Bahnhof in Ulm ging es für uns mit der Straßenbahn Richtung Oberer Kuhberg, um die dortige KZ Gedenkstätte zu besuchen. Mit etwas Verzögerung begann die Führung durch Herrn Hof, einen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Er erzählte uns, dass die damalige Bundesfestung von 1933 bis 1935 als Konzentrationslager für das Land Württemberg diente. Es waren insgesamt schätzungsweise 600 politische und weltanschauliche Gegner des NS-Regimes inhaftiert, Ermordungen gab es im KZ Oberer Kuhberg keine. Besonders beeindruckend war für uns, dass das Gebäude, welches aus Kalkstein besteht, auch heute noch weitgehend unverändert erhalten ist. Als wir das Gebäude betraten, sagte man uns, dass an Heiligabend 1933 die ersten 300 Gefangenen vom KZ Heuberg ins KZ Oberer Kuhberg verlegt worden sind. Der Leiter des Lagers war Kommandant Karl Buck, der die Insassen mit willkürlichen Bestrafungen, stundenlagen Strafappellen, körperlicher Gewalt und „Sport“ quälte. Als wir in einer Einzelhaftzelle standen, erfuhren wir, dass dort Kurt Schumacher und Alfred Haag, zwei der prominentesten Gefangenen, eingesperrt waren. Danach führte uns Herr Hof zu den Häftlingsunterkünften in den sogenannten Kasematten. In diesen dunklen und beengenden unterirdischen Gängen, in denen sich auch die von den Insassen selbst gebauten Hochbetten befanden, roch es nicht nur übel, sondern es war auch eisig kalt und nass. Obwohl es kein Vergleich zu damals war, waren wir dennoch alle froh, als wir wieder im Freien waren. Die Führung hat uns eindrucksvoll gezeigt, was die Gefangenen jeden Tag durchmachen mussten und unter welch menschenunwürdigen Bedingungen sie dort leben mussten. Mit vielen neuen Eindrücken, die uns nachdenklich stimmten, verließen wir schließlich das ehemalige Konzentrationslager und fuhren wieder nach Hause.

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