"Heiles Deutschland" fesselt die Schüler

"Heiles Deutschland" fesselt die Schüler

Was ist eigentlich deutsch? Das war die zentrale Frage, der sich über 100 Mühlbachschüler der Lernguppen 7 und 8 bei der Vorstellung des Stücks „Heiles Deutschland“ gestellt haben. Auf die Bühne brachten es die Schauspieler Joséphine Oeding und Simon David Altmann, zwei Akteure des Schultourtheaters „Bühnengold“ aus Berlin. In bewusst provokanter, nachvollziehbarer, temporeicher, intelligenter, also höchst unterhaltsamer Form. Eingebunden in eine eindrucksvolle Soundkulisse. So zogen sie die Jugendlichen in ihren Bann, obwohl die unter dem tropischen Raumklima in der neuen Mensa (Aula) litten.

Ganz klar: Es war schwere Kost für die Schüler, denn es ging um nicht weniger als Deutschland, Deutschsein, Extremismus und Fremdenfeindlichkeit. Die wurde auch dadurch nicht verdaulicher, dass die Protagonisten in dem Stück, Melanie und Lukas, als Geschwister gemeinsam die achte Klasse eines Gymnasiums besuchen und die Sprache der Jugendlichen sprechen. Indes: Nachvollziehbar für die Jugendlichen, temporeich und intelligent agierte das Duo auf der Bühne.

Worum geht es? Melanie erhält von ihrem Lehrer (Herrn Salzig), der in diesem Stück Intoleranz und Alltagsrassismus verkörpert, die Hausaufgabe, die „Marksteine der Deutschen im 20. Jahrhundert“ zu beleuchten, weil sie nach eigener Aussage beim Singen der Nationalhymne keinen wirklichen Stolz empfindet. Politisch desinteressiert, weiß Melanie nicht wirklich, wie sie diese „Strafarbeit“ erledigen soll. Da kommt ihr Bruder Lukas zur Hilfe, der interessiert das Tagesgeschehen verfolgt und sich gut informiert fühlt. Tatsächlich macht er sich aber nur wenig eigene Gedanken, stattdessen macht er sich über vieles einfach nur lustig. „Deutsch!“ imitiert er Adolf Hitler und lacht sich kaputt, während er sich einen Islam-Clip auf dem Handy ansieht. Gemeinsamen arbeiten sich die Geschwister durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts und halten wichtige Ereignisse und Personen mit Zetteln an einer Pinnwand fest. Dabei kommen auch die Weltpolitik und die jüngsten Ereignisse zur Sprache.

Hatte Melanie zunächst keine Meinung, erkennt sie jedoch im Laufe des Stückes, dass eine passive Haltung nicht genügt. Sie will sich deshalb nicht mehr raushalten, sondern etwas verändern. Lukas hingegen gebärdet sich zunehmend intolerant, beeinflusst von Gefühlen wie Ehre und Stolz und sympathisiert schließlich mit der Terrormiliz IS. Am Schluss bindet er sich einen Sprengstoffgürtel um, es knallt, und dann ist es mucksmäuschenstill.

Erklärtes Ziel des Schultourtheaters Bühnengold ist es, „durch intelligente Unterhaltung junge Menschen zu kritischen, geistig wachen Menschen zu formen, die sich ihrer Stimme und Rolle in der Gesellschaft bewusst werden.“ In der sich an das Stück anschließenden Diskussion, die von den beiden Schauspielern moderiert wurde, meldeten sich dann auch etliche Schüler zu Wort, um zu den angesprochenen Themen Stellung zu beziehen.

Die Mädchen und Jungs aus den beiden Lengruppen mussten übrigens nur 2 Euro Eintritt bezahlen. Den größten Teil der Gage finanzierte KOMM (Kommunaler Präventionspakt des Landkreises Biberach) und der Förderverein der MBS. Herzlichen Dank dafür.

 

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